Da hatte sich Heiner Seemann einen passenden Termin für seine Fotoausstellung „Hin und weg und wieder zurück“ ausgesucht. Denn die analoge Fotografie wurde gerade erst als immaterielles Weltkulturerbe aufgenommen. Die Vernissage im Schafflunder Bürgerhaus war gut besucht. 60 Aufnahmen waren ein Wochenende lang ausgestellt.
Keine Frage: Die Foto-Technik mit zu entwickelnden Filmen sorgt mit ihrem Retro-Charakter für eine Rückbesinnung und ist im künstlerischen Segment wieder sehr gefragt. Selbst Farbaufnahmen von 2024 strahlen eine nostalgische Atmosphäre aus. Die sogenannte Körnung ist nicht perfekt, was beim Betrachter oft ein Gefühl der Anmut auslöst. „Es ist wie mit der Schallplatte, sie knistert beim Hören, aber sie ist wieder sehr beliebt“, erklärt Heiner Seemann.

1985 hatte er erstmals eine Kamera in der Hand, seitdem ist die Fotografie eine stetige Begleiterin. Verwandte, Autos und Tiere waren die ersten Modelle. Bald richtete sich Heiner Seemann ein erstes Labor ein und entwickelte zu Hause die belichteten Filme. Es folgte die erste Profi-Kamera und erste Foto-Sessions. Von 1988 stammten die ersten Motive in der Ausstellung: ein Spanien-Urlaub und Flensburger Hinterhof-Romantik. Das „Fenster zum Hof“ wirkte deutlich freundlicher als in einem Hitchcock-Klassiker.
Seit 2005 fotografiert Heiner Seemann gewerblich, arbeitete für das Landestheater und organisiert gerne Foto-Shootings. Bei einem Termin hat er sowohl digitale wie analoge Kameras dabei. „Die Digitalfotos schaut man sich schnell an“, erzählt der Fotograf. „Dann freut man sich schon darauf, die Filme zu entwickeln.“ Die klassische Technik ist zeitaufwändiger und teurer – ein Film kostet etwa 20 Euro –, sie ist aber auch entschleunigend.
In der Ausstellung war drei Mal Schafflund zu entdecken: die Wassermühle doppelt, jeweils mit einer Lochbildkamera aufgenommen. Die Kombination von kleiner Blendenöffnung und einer sehr langen Belichtung lässt das nasse Element wie eine Plane erscheinen, die sich über den Mühlenstrom legt. Ein Baum – das dritte Schafflunder Motiv – sieht dank einer Infrarot-Technik aus wie eine Kirschblüte. Blätter erscheinen nicht grün, sondern weiß, und der blaue Himmel ist plötzlich schwarz. Viele dieser ganz anderen Impressionen zeigte diese sehenswerte Ausstellung.
Die Fotogruppe Schafflund veranstaltet zum ersten Mal die Schafflunder Fototage, und zwar vom 3. bis zum 5. Oktober. Zur Eröffnung findet am 3. Oktober um 19 Uhr eine öffentliche Vernissage der Fotoausstellung im Bürgerhaus Schafflund statt. Rund 80 Bilder werden zu sehen sein. Die Ausstellung ist auf den folgenden zwei Tagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Außerdem stehen in der Schule zwischen den Meeren interessante Vorträge auf dem Programm – thematisch vielseitig und auch für Einsteiger lohnenswert. Höhepunkte dürfte dabei ein Vortrag über 100 Jahre Kleinbildfotografie mit Einblick in die Sammlung historischer und neuzeitlicher Kameras eines großen, deutschen Herstellers sein. Der Sonntag bringt einen Vortrag über analoge Fotografie in der Neuzeit – mit anschließendem Foto-Walk zur historischen Wassermühle aus dem 14. Jahrhundert.